Umweltbelastungen als globales Phänomen

Das DFG-Projekt Umweltbelastungen als globales Phänomen wird von der Deutschen Forschungsgesellschaft seit Oktober 2002 gefördert und ist zunächst bis zum Oktober 2006 finanziert. Das Ziel des Projektes besteht darin, Faktoren einer erfolgreichen Umweltperformanz im Ländervergleich zu ermitteln. Dazu werden 21 OECD-Länder von den 1970er Jahren bis zum Jahr 2005 untersucht. Die Teilziele hinsichtlich der Erfassung umweltpolitischer Ergebnisse von Staaten bestehen...

... in der Entwicklung eines zeitvarianten Indikators von Umweltperformanz. In diesem Index werden Aspekte der Luft-, Wasser- und Bodenbelastung erfasst, sowie Bemühungen die Umweltbelastung einzudämmen (Recyclingraten, Naturschutzgebiete, Müllaufkommen etc.). Die Informationen zu diesem Index beruhen vor allem auf Daten der OECD, die jedoch für einen solchen Index grundlegend behandelt wurden. Neben einem standardisierten Umweltperformanzindex wird ein länderspezifischer Umweltperformanzindex entwickelt, der auf die Besonderheiten der einzelnen Länder eingeht.

...in der Erfassung von unterschiedlichen Entwicklungspfaden. Entwicklungspfade der Umweltperformanz integrieren programmatische Aspekte von Umweltpolitik in ein analytisches Konzept. Hiermit lassen sich dann (a) produktionistische Staaten identifizieren, die den umweltpolitischen Aspekten nur wenig Aufmerksamkeit widmen, (b) produktionistische Staaten, die umweltpolitisch aktiv sind und (c) umweltpolitisch aktive Staaten, die zudem Elemente einer „grünen Programmatik“ verfolgen.

Die ersten empirischen Ergebnisse dieser Arbeit führen zu der folgenden Einschätzung der Umweltpolitik der 21 OECD-Länder:

  Relativ negative Umweltperformanz
Relativ positive Umweltperformanz
Produktionistischer Entwicklungspfad
Produktionistischer Entwicklungspfad: Australien, Belgien, Großbritannien, Griechenland, Neuseeland, Norwegen, Irland, Italien, Kanada, Portugal, Spanien, USA
Öko-produktionistischer Entwicklungspfad: Schweden, Schweiz, Japan, Finnland, Frankreich
Ökologischer Entwicklungspfad
  Ökologischer Entwicklungspfad: Niederlanden, Dänemark, Deutschland, Österreich

Die politikwissenschaftlichen Erklärungsfaktoren lassen sich in vier Bereiche unterteilen:

Außerparlamentarische Mobilisierung von umweltpolitischen Interessen. Dieser Aspekt wird im Rahmen des Konzepts der politischen Gelegenheitsstruktur analysiert, welches für die 21 Länder operationalisiert wird.

Die parlamentarische Mobilisierung von Umweltthemen. Unter diesem Aspekt steht vor allem die Mobilisierungskraft und Wirkung von Regierungsparteien im Vordergrund (do parties matter).

Eine alternative Hypothese wird im Zusammenhang der Analyse von Vetospieler und -punkten untersucht. In diesen Bereich gehören auch Aspekte des Einflusses von föderativen Strukturen und des Korporatismus. Im Rahmen des Projektes wird ein zeitvarianter Vetospieleransatz entwickelt, der neben der Links-Rechtsachse auch die Umweltdimension berücksichtigt.

Globalisierung. Dieser Aspekt betrachtet internationale Einflüsse auf die Umweltperformanz der OECD-Länder. Hierzu wird die Rolle der Europäischen Union, von Handelströmen und von Diffusion erfasst. Insbesondere hinsichtlich eines Diffusionsindexes wurden erste Ergebnisse publiziert, die sich allerdings zunächst nicht mit der Umweltproblematik beschäftigten.

Für die Analyse der nationalstaatlichen Umweltperformanz bedarf es der Berücksichtigung von relevanten Kontrollvariablen. Hierzu werden die üblichen Variablen wie Wirtschaftskraft und die Sozialstruktur eines Landes berücksichtigt. Darüber hinaus wurde jedoch auch ein Index entwickelt, der die klimatischen Bedingungen eines Landes einbezieht („Temperatur pro Kopf"). Mit ersten Ergebnissen aus diesem Projekt ist Ende 2007 zu rechnen.