New Politics in Trade Unions.

Aldershot: Dartmouth. 1993.

 

Die Studie behandelt die veränderten Einstellungen zur Umweltpolitik von Gewerkschaften in Schweden und der Bundesrepublik Deutschland. Dabei wurde der Umweltdiskurs in 16 Einzelgewerkschaften und drei gewerkschaftlichen Dachverbänden (DGB, LO, TCO) von 1970 bis zum Jahr 1990 betrachtet. Anhand einer quantitativen Inhaltsanalyse wurden zirka 400 Kongressanträge und 3.000 Beiträge in Mitgliedszeitschriften untersucht. Diese Analyse wurde durch Rückgriff der modernen Organisationstheorie durchführt. Schwerpunkte stellten dabei die Untersuchung der Gewerkschaftsmitglieder (strukturalistischer Ansatz), die Programmatik und die innergewerkschaftlichen Kommunikationsprozesse (kognitive Ansätze) und das gewerkschaftliche Umfeld (Ansätze der Ressourcenabhängigkeit) dar.

Die Ergebnisse deuten auf drei unterschiedliche Gewerkschaftsstrategien hin: Einmal öffneten sich einige Gewerkschaften ökologischen Positionen. Solche Gewerkschaften verfügen über eine gesellschaftspolitische Programmatik und offene Kommunikationsstrukturen. Andere Gewerkschaften, die vor allem einen pragmatischen Diskurs führen und stark an der traditionellen sozialdemokratischen Programmatik festhielten, versperrten sich lange Zeit ökologischen Aspekten. Andere Gewerkschaften schließlich, die aufgrund ihrer Mitgliedschaft im besonderen Maße von einem Umweltdiskurs betroffen waren (Angestelltengewerkschaften), verfolgten eine Nicht-Entscheidungsstrategie. Zusammenfassend können die Positionen wie in der folgenden Abbildung dargestellt werden:

 

Aus dem Vorwort von Claus Offe:

In this book, Detlef Jahn relates the story of how trade unions in Germany and Sweden have responded to and coped with the challenge of having to fight, as it were, at two fronts simultaneously. As the climate of opinion in these two industrial societies moved towards more openness for environmental concerns, and as the bearers of such concerns became also more numerous, as well as more vocal, within the trade unions’ constituencies and organisational domains and the policy agenda they had to address, the political, ideological, and organizational dilemmas clearly multiplied to which trade union leaders found themselves exposed. The nature of these dilemmas and the responses of the unions’ leadership bodies are both subjected to a rigorous empirical analysis in this study. Not the least of the virtues of it consists, in my view, in the simultaneous comparative perspective applied to the national industrial relations systems of the two countries and the strategies adopted by unions operating in different industrial sectors with their corresponding patterns of membership and ‘task environments’. The author also breaks new ground in the methodology of quantitative content analysis. […]

In the process, trade unions are forced to abandon much of their time-honored cognitive and ideological schematizations of reality. How this is accomplished, and what kinds of ideological blinders and organizational filters stand in the way of such accomplishment, is the fascinating process that Jahn’s fine empirical analysis elucidates with much of the methodological sophistication at the disposal of today’s social science.

 

Buchbesprechung von Klaus Armingeon (PVS 36 (4): 792-793, 1995):

„Es gibt nur wenige Studien, die sich mit den Beziehungen zwischen „alten” und „neuen” sozialen Bewegungen beschäftigen. Unter diesen Analysen finden sich nur eine Handvoll, die international vergleichend angelegt sind. Und darunter wiederum gibt es sehr wenige, die mit großer Systematik und Nachprüfbarkeit ihr Thema angehen. Detlef Jahns Dissertation gehört zu dieser kleinen Gruppe von Arbeiten. … „New Politics in Trade Unions“ ist ein wichtiges Buch für Forscherinnen und Forscher im Bereich der „alten“ und der „neuen“ sozialen Bewegungen.“